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Zigarren & Co

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New York - Wenn es kalt und ungemütlich wird in New York, wenn die Eislaufbahn am Rockefeller Center in Betrieb ist und wenn der traditionell überdimensionale Weihnachtsbaum ebendort schrill illuminiert ist, dann zieht es den New Yorker abends in die gemütlichen Restaurants - zum Klönen, zum Abschalten oder einfach zum Auffallen...

Das Beatrice Inn im West Village ist ein solches Lokal: zum Wohlfühlen, zum Abschalten und zum Auffallen. Vorsichtshalber hat das Management schon mal auf der Speisekarte vermerkt, dass Fotografieren verboten ist (es könnte ja ein VIP anwesend sein, der inkognito bleiben will). Ganz nebenbei kann man im Beatrice aber auch großartig essen, wenn auch - zugegebenermaßen - zu gesalzenen Preisen.

Doch fangen wir ganz von vorne an: eine kleine Treppe führt in das Kellerrestaurant (man könnte glatt vorbeilaufen und es übersehen, so unscheinbar ist der Eingang). Die Ausstattung und die Beleuchtung sind ganz im Kolonialstil gehalten, Kerzenlicht dominiert - und sehr dezente Beleuchtung. Der Service ist sehr aufmerksam, manchmal vielleicht ein bisschen langsam. Dazu gleich mehr.

Die Speisekarte wird fast täglich aktualisiert - sie ist überschaubar, dafür aber sehr erlesen und abwechslungsreich. Das Beatrice Inn serviert "New American Cuisine" - dazu zählten beispielsweise unsere Vorspeisen wie Rote Bete Salat mit geräuchertem Ricotta und roten Endivien, aber auch eine Buratta auf Toast mit frischen sautierten Pilzen und Thymian. Ein sehr guter Einstieg: leckere Geschmackskombinationen - und mit frischen Kräutern abgeschmeckt.

Zur Hauptspeise wählten wir den Heilbutt mit Fenchel und Tarragon, das Rindersteak mit Frühlingszwiebeln, geröstetem Knoblauch und eine Kirsch-Cabernet-Reduktion. Fleisch und Fisch waren auf dem Punkt, sehr gut gewürzt und ausgesprochen liebevoll dekoriert. Die Weinempfehlungen dazu waren ausgezeichnet - der Sommelier versteht sein Geschäft. Die Weinkarte zeigt eine reichliche (zuweilen deutlich überteuerte) Auswahl aus der alten und der neuen Welt.

Zu meckern gab es nur am Service: Die Damen und Herren in Küche und im Restaurant ließen sich doch etwas viel Zeit. Doch man gab sich einsichtig: Ein kleiner Hinweis darauf, dass man doch nun schon etwas lange wartete, führte dazu, dass der (ganz großartige) Nachtisch aufs Haus ging.

Ein schöner Abend in einem ausgesprochen liebevoll eingerichteten Restaurant mit fast perfekter Küche. Aber: Geduld mitbringen.

 

The Beatrice Inn, 285 West 12th Street, Manhattan (West Village)

Reservierung: 917 560 7400

Vorspeisen ca. 15 Dollar, Hauptspeisen 25 - 45 Dollar

http://thebeatriceinn.com/gallery2.html

 

 

New York - Die New Yorker Gastronomie ändert sich quasi täglich: Was gestern hip war - und mehrwöchige Vorbestellung erforderte, das ist wenig später nur noch Schnee von gestern. Trotzdem halten sich einige Szenelokale wacker - und setzen sich locker gegen neue Konkurrenz durch.  Dazu gehört auch "Beauty & Essex" - ein wunderbares Restaurant in der Lower East Side von Manhattan. Bis vor wenigen Jahren noch ein Möbelgeschäft (das sieht man bis heute) - und umgeben von einer etwas heruntergekommenen Schule und einigen Billigläden und Schummerbars - heute eines der angesagtesten Lokale der Stadt (erster Tipp: Immer vorab reservieren!).

Von außen mag man kaum glauben, dass das ein Restaurant sein soll: es sieht aus wie ein Leihhaus für Schmuck, Nippes & Co. Doch das große Aha-Erlebnis beginnt, wenn die Hintertür geöffnet wird: Dort verbirgt sich auf zwei Etagen das sehr geräumige Restaurant. Sehen und gesehen werden ist ein wichtiges Element des Restaurants. Hierzu gehört sicher auch die Auswahl der jungen Kellnerinnen, die für die Aufnahme der Bestellungen sorgen. Für sie gilt offenbar ein Dresscode für Rocklänge bzw. Kürze. Aussehen ist hier Trumpf - gleichzeitig wurden wir aber auch professionell und freundlich bedient, kompetent beraten. Das Dekor des Restaurants ist überschwänglich - das Ambiente beeindruckend. Ein Farbenrausch in Rot und Weiß - und das in gedämpften Licht. Das Publikum: Junge Businesspeople, Geschäftsleute, die Boheme der Kreativszene.

Die Karte ist umfassend, extrem originell (zweiter Tipp: Vorher schon mal nachschlagen unter www.beautyandessex.com). Wir probierten von der "Raw Bar" Sashimi vom Thunfisch im Tonnato Style - einfach hinreißend! Dazu gab es Hand Cut Prime Steak Tartare - wunderbar dekorierte kleine Portionen Tartar auf Toast, hergestellt aus saftigstem Prime Steak, hervorragend aromatisch gewürzt. Ein Genuss. Schließlich noch einmal Thunfisch: Tuna Poke Wonton Tacos  - serviert in selbstgemachten Taco Chips. Danach wurde uns ein Salat mit frischen Äpfeln serviert - exzellent abgestimmt im Verhältnis von Säure und Süße. Als warme Mahlzeiten wurden mit Ricotta und Pilzmasse gefüllte Raviolini serviert, weit von der schwer definierbaren Masse ihrer Artgenossen entfernt - wunderbar in Konsistenz und Geschmack. Die Garganelli (Pasta mit scharf gewürzter Kalbsbolognese) hatten die Bezeichnung "spicy" mehr als verdient. Die dazu gereichten Chilis für noch mehr Schärfe waren nicht notwendig. Warum mussten wir dann noch Lamm mit Mais und Kartoffelpüree essen? Wahrscheinlich aus nackter Gier... Sehr zarte rosa Koteletts mit feiner Rotweinsoße. 

Begleitende Weine (großzügig eingeschenkt) waren ein Chardonnay und Pinot Noir aus Kalifornien - und das in sehr guter Qualität und optimaler Temperatur. Die Weinauswahl insgesamt ist beeindruckend. 

Weniger beeindruckend waren die Desserts, handwerklich sicher in Ordnung, aber sehr süß (wie man das in den USA mag) und nach dem überwältigenden Start eben nicht mehr so originell. Inklusiv Trinkgeld (um die 15 Prozent sind angemessen) muss man pro Person rund 120 Dollar rechnen. Es hat sich gelohnt für einen schönen, langen, außergewöhnlichen und kulinarisch lange nachwirkenden Abend. 

146 Essex Street, 10002 New York, 212-614 0146, www.beautyandessex.com

 

New York - Rund 25 000 Restaurants soll es in New York geben - und in einem Schmelztiegel wie diesem ist es dann auch kein Wunder, dass fast alle Kulturen und Nationen dieser Welt in dieser Stadt ein Restaurant finden, in dem sie ihre nationale und regionale Küche wiederfinden. Am interessantesten sind dabei oft die Cross-Over-Restaurants, in denen zwei kulinarische Kulturen aufeinanderprallen. Daniel Boulud, mehrfach sternegekrönter französischer Koch, hat in den USA (und mittlerweile auch in Europa) ein kleines Restaurantimperium geschaffen - und sich dafür die besten Küchenzauberer geholt. 

Neben seinem Toprestaurant "Daniel" betreibt Boulud in Manhattan das db Bistro. Seinem Chefkoch Laurent Kalkotour gelingt dort eine beeindruckende und geschmacklich einzigartige Kombination von amerikanischer und französischer Küche. Die Bezeichnung "Bistro" mag täuschen - das db Bistro ist ein veritables Gourmetrestaurant - direkt neben dem literatur- und kulturhistorisch bedeutenden Algonquin Hotel. Die Kellner sind unglaublich professionell - unaufdringlich, kenntnisreich und von ausgesprochener Höflichkeit (was beklagenswerter Weise nicht immer selbstverständlich ist in dieser Metropole). Beleuchtung und Dekoration wirken etwas psychedelisch, tun aber der gesamten Atmosphäre keinen Abbruch.

Die Vorspeisen - "Legumes du marché" und "Tomato Tarte Tain" waren tadellos. Ersteres bestand aus frischen, leicht gedämpften Gemüse, einem Bett aus schwarzen Olivenpüree und kleinen Apfelstücken - garniert mit einem "Fromage Blanc Dressing" - eine ausgezeichnete und so nie zuvor geschmeckte Kombination. Die zweite Vorspeise kombinierte Ziegenkäse, Friséesalat und schwarze Oliven mit einem Tomatenfrikassee. 

Die Auswahl der Hauptspeisen fällt schwer: es gibt verschiedene Sorten frischen Fischs - ebenso wie verschiedene Fleischgerichte vom Lamm, Schwein, Huhn, Ente oder Rind. Wir wählten neben einer Doraden auch die Spezialität des Hauses: den db Burger. Der Fisch wurde serviert mit Heirloom Tomaten (oder auch Heritage Tomatoes genannt), mit Fenchel und mit einer frittierten Kichererbsen Panisse. Der db Burger ist keineswegs eine Verneigung des Küchenchefs vor der amerikanischen Essenskultur, sondern vielmehr eine hauseigene französische Kreation, die mit den Buletten der hiesigen Schnellrestaurants aber auch gar nichts zu tun hat. Das Rindfleisch - wie es sich gehört fragt der Kellner, wie es denn gebraten sein soll - wird mit Foie Gras (französischer Entenstopfleber) und schwarzen Trüffeln auf einem Parmesanbrötchen serviert - dazu Pommes Frites oder Pommes Sufflés. 

Fast zu schön um wahr zu sein: Die kleinen Kunstwerke, die die Patissiers zaubern - wunderbare Kombinationen aus Pralinés, Sorbets, Eis und Crème Brûlées in verschiedensten nie gekannten Geschmacksvariationen. Alleine die Desserts wären den Besuch wert gewesen. 

Die Weinauswahl ist erschlagend - die Kenntnisse der Sommeliers im db Bistro sind es auch: Da bleibt kaum ein Wunsch offen.  Preislich liegt das db Bistro - wen wundert's - im mittleren bis oberen Bereich. Pro Person sollte man - inklusive einem Glas Wein - mit rund 120 Dollar rechnen - dazu kommen noch Steuern und Trinkgelder. 

db Bistro, 55 West 44th St, New York, NY 10036, Telefon: 212-391-2400, www.danielnyc.com

Bei der Reservierung (unbedingt anzuraten!) einen Tisch im hinteren Bereich des Restaurants bestellen - dort ist es deutlich ruhiger und weniger zugig als vorne.

New York - Dinner im Restaurant gehört zum Alltag vieler New Yorker. Ob beim Mexikaner nebenan für fünf  Dollar im Stehen – oder im Fünf-Sterne-Restaurant für 500 Dollar mit Damastservietten und Silberleuchtern: Der New Yorker isst und trinkt leidenschaftlich gerne außerhalb (wohl auch, weil die meisten das selber Kochen längst verlernt haben).  Etwa drei bis viermal pro Woche geht der durchschnittliche New Yorker auswärts essen. Und so ist es kein Wunder, dass es in der Acht-Millionen-Metropole zehntausende von Restaurants gibt – und für jeden noch so eigenen Geschmack ist etwas dabei (und auch für fast jedes Portemonnaie). Wer im Internet nach den angesagtesten Hip-Restaurants recherchiert, der wird dutzende – ja Hunderte - von angeblichen Insider Tipps finden – und doch: Die meisten dieser heißen Tipps sind zum Zeitpunkt der Veröffentlichung kalter Kaffee. Denn New York überholt sich jeden Tag selbst. Was heute hip ist, das ist morgen schon wieder überholt. Der letzte Schrei von gestern entpuppt sich zuweilen als völlig überteuertes Durchschnittsrestaurant ohne jeglichen Glamour. Nirgendwo verblasst medialer Glanz so schnell wie in New York. Denn der morgige Tag bringt neue Höhepunkte, neue Hypes, neue Stars und Sternchen.

Unser erster Restaurantbesuch führt uns nach Manhattan – ins East Village. Dieses Viertel soll die höchste Restaurantdichte der Welt haben. Und es war in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts ein Tummelplatz der Hippies, der Schriftsteller, Musiker und Schauspieler – kurz: Der Paradiesvögel der Stadt. Kein Wunder also, wenn unser Ausflug in das Restaurantleben von New York hier beginnt. In der 102 Avenue C gibt es den besten Österreicher der Stadt: ‚Edi & the Wolf’ – Eduard (Edi) Frauneder und Wolfgang (der Wolf) Ban bieten hier originelle österreichische Küche – und das in einem ausgesprochen originellen Ambiente – ganz jenseits der unerträglichen Jodel- und Blasmusikkneipen. Inspiriert von der „Heurigenkultur“ in Wien, ist „Edi & the Wolf“ eine großartige Visitenkarte europäischer Gastlichkeit. Dazu gibt es eine imposante Weinkarte – nicht nur mit ausgezeichneten österreichischen Weinen.

Wer möchte kann draußen im Garten sitzen, eine lauschige Hinterhofidylle – im Sommer ideal. Die Wirtsstube selber wirkt wie eine alte Scheune – Holz und skurrile Antiquitäten machen den Raum gemütlich und heimelig. Zur Einstimmung gibt es Graubrot und Olivenöl - nicht das pappig-weich-geschmacksneutrale Industriebrot der Amerikaner, sondern Brot mit Kruste und mit kernigem Geschmack. Das Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat, Gurkensalat und Preiselbeeren schmeckt wie bei Muttern: Es ist dünn geschnitten und in Butterfett gebacken – entsprechend knusprig ist die Panade. Die Frage, ob denn tatsächlich Kalbfleisch für das Wiener Schnitzel verwendet wird – so wie es sich ja gehört - erübrigt sich. Die Bedienung fragte beim Bestellen ausdrücklich, ob es denn Kalb- oder Schweinefleisch sein dürfe. Für die Vegetarier gibt es Tiroler Schlutzkrapfen (Ziegenkäseravioli mit Ricotta, Artischocken, Kirschtomaten, Babyzucchinis und Basilikum). Lecker zubereitet und appetitlich präsentiert. Die Speisekarte ist klein – die Preise sind angemessen (Vorspeisen um 10 USD, Hauptspeisen ab 20 USD). Schade, dass es keinen Kaiserschmarrn zum Dessert gibt – das wäre die Krönung des Abendessens gewesen. Statt dessen werden Limettenparfait und eine Mascarpone-Aprikosen-Tarte angeboten. Wer möchte kann auch eine Selektion aus sechs verschiedenen Käsesorten zusammenstellen. (drei Sorten 13 USD, sechs Sorten 18 USD). Besonders zu empfehlen sind die österreichischen Weine, wie beispielsweise der Blaufränkische aus dem Burgenland oder der Grüne Veltliner aus dem Weingut Hajszan in Wien, das seinen Wein rein biologisch anbaut. Traditionell sind alkoholische Getränke in den USA deutlich teurer als in Deutschland. Auch bei Edi & the Wolf muss man pro Glas mit 12 bis 14 USD rechnen, die Flasche Wein geht kaum unter 60 USD über den Tisch.

Und wer sich in der Stadt, die niemals schläft, noch etwas mehr Heimatgefühl holen will, der verlässt satt und zufrieden Edi & the Wolf – und wechselt einfach die Straßenseite. Dort hat Sylvester Schneider aus dem bayerischen Wessling im Sommer 2000 seine bayerische Bierstube „Zum Schneider“ eröffnet. Von den zwölf verschiedenen Sorten Bier vom Fass sollte man jetzt die Finger lassen – dafür war der Wein bei Edi und Wolf einfach zu gut. Aber vielleicht ein Verdauungsschnapserl – das geht immer. Und dann hinaus in die Nacht.

 

(Ed & the Wolf, 102 Avenue C, New York, NY 10009, Tel: 212 598 1040, www.ediandthewolf.com, Öffnungszeiten So – Do 17 – 24 Uhr, Fr – Sa 17 – 1 Uhr. Montags geschlossen)