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Kochgenuss

Wir kochen nicht für Sie, aber wir präsentieren tolle Kochblogs und sprechen mit Genussbloggern über ihre Vorstellungen von gutem Essen... weiterlesen

Oliven, Käse & Co

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Genussvolles Reisen

Wollen Sie auch mal die Safranernte in Umbrien miterleben? Oder Bioproduzenten in der Toskana kennenlernen? Wir zeigen Ihnen, wo und mit wem das möglich ist, jenseits des Pauschaltourismus... weiterlesen

Wein, Sekt & Co

Das Leben ist viel zu kurz, um sich auf schlechten Wein, Sekt oder Champagner einzulassen. Wir berichten über Winzer und Weine, Whiskys und Spirituosen, die uns begeistern und stellen Menschen vor, die sich mit den Themen befassen... weiterlesen

Zigarren & Co

Wer gerne genussvoll raucht, erfährt hier mehr über gute Zigarren, Pfeifen, Tabak und Accessoires. Außerdem sprechen wir mit Menschen, für die Rauchen mehr bedeutet als nur Zeivertreiben... weiterlesen

 

Neuer "Super Schoppen Schopper" kürt wieder Helden und Schurken

Als Agentin 0,75 getarnt: Cordula Eich auf dem Cover des neuen "Super Schoppen Schoppers"

In "geheimer Mission" war sie schon vier Mal für den "Super Schoppen Schopper" unterwegs, jetzt auch noch als "Agentin 0,75", so wie es sich für eine Person, die "im Auftrag Eurer Majestät" handelt, gehört. Ihr Pseudonym Cordula Eich passt da irgendwie auch dazu. Die Weinkennerin ist mal wieder 1500 Weinen und Schaumweinen in Supermärkten und bei Discountern auf die Pelle gerückt und hat uns das Ergebnis dieser langwierigen Verkostungen auf über 300 Seiten geschildert.  Ergebnis: Der "Super Schoppen Schopper" präsentiert sich auch in diesem Jahr mit ganz außergewöhnlichen Kommentaren über die getesteten Weine und listet erfreulicherweise weniger Untrinkbares, als die Jahre zuvor.

Die Literflasche Rosé aus Mazadonien, die es bei Norma für 1,59 Euro zu kaufen gibt, sollte man allerdings im Regal stehen lassen. Cordula Eichs Fazit dazu: " Hier hat jemand in den Bottich gekübelt... Ich will gar nicht wissen, wer und warum!" Da zuckt das Blitzsymbol im Buch, was für Cordula Eich gleichbedeutend mit einem "elenden Lumpenhund" ist, "der nicht nur mit unfairen Mitteln kämpft, sondern offensichtlich auch noch Spaß am Leiden seiner Opfer hat." Wenn jetzt jemand sagt, dieses Buch sei ja auch in diesem Jahr wieder nur für die nützlich, die eh` keine Ahnung von Wein haben, dann hat er zwar Recht, aber selbst die, die eine gewisse Ahnung haben, können sich auf die Urteile der "Mission Weinregal" freuen, allein schon wegen der süffisanten und amüsanten Kommentare zu den einzelnen Weinen.

Der "Super Schoppen Schopper" ist ein Einkaufsführer, auf den sich die Verbraucher durchaus verlassen können und grenzt sich ab von denen, die nur Tipps enthalten, die durch teure PR oder Anzeigen gesponsert werden. So kann es sich Agentin 0,75 erlauben, jeden Schurken beim Namen zu nennen, und das tut sie auch. Wenn sie einen halbtrockenen Grünen Veltiner aus 2011, der in Literflaschen bei REWE sein Dasein fristet, als "Wrigley´s Spearmin Kaugummi in Flüssigform" beschreibt, dann zieht es einem schon beim Anblick der Flasche den Gaumen zusammen. Auch der 2011er Chardonnay der kalifornischen Gallo Family (ebenfalls bei REWE zu finden) bekommt sein Fett weg: "Dieser Chardonnay fühlt sich in den Händen der Gallo Boys wie Jody Foster in 'Angeklagt'."  

Die Aufmachung und das Layout des Buches sind geblieben, bis auf das Foto der Agentin Eich mit Pistole in der Hand, das in diesem Jahr das Cover schmückt (Veränderung tat Not). Auch der Inhalt des Buches ist so, wie es die Fans des "Super Schoppen Schoppers" gewohnt sind:  Der Reihe nach werden die Weine und Schaumweine der Supermärkte und Discounter Aldi, Lidl, Penny, Metto, Norma, EDEKA, REWE, Kaufland und Rossmann kurz besprochen und bewertet. Dazu gibt es erstmalig Cordulas Trinktipps, welche die besonderen Perlen für Weinliebhaber aufzeigen.

Erfreulich: In diesem Jahr vergab Cordula Eich mit 125 Superschoppen (die höchste Auszeichnung, die es bei ihr gibt) so viele Auszeichnungen wie noch nie. Ob es an ihrer jährlichen Kampfansage und den teilweise verheerende Kritiken an manchen Weinen liegt, dass plötzlich bedeutend weniger schlechte Weine in den Regalen zu finden ist, lässt sich natürlich nicht nachweisen. Cordula Eich hat aber sicherlich einen gewissen Anteil daran, dass die Qualität der Regalweine bedeutend besser geworden ist. So finden sich z.B. bei Aldi Süd, ein Discounter mit einem überschaubaren Weinangebot, immerhin 14 Weine und Schaumweine, die sich einen Superschoppen verdient haben. Auch hier scheint man sich also Gedanken darüber gemacht zu haben, dass eine gewisse Qualität auch bei niedrig preisigen Weinen durchaus möglich ist.

Mit der fünften Ausgabe ist der "Super Schoppen Schopper" wohl endgültig in die Reihe der Kultbücher aufgestiegen. Die Bewertungen von Cordula Eich sind alleine wieder einen Kauf wert. Und spätestens dann, wenn sich beim Einkaufen herausstellt, dass die Agentin mit dem, was sie geschrieben hat, Recht hat, dann hat sich der Kauf des Buches doppelt gelohnt. Alle "Super Schoppen" gibt es übrigens auch kostenlos zum Herunterladen im App-Store. Und was wird sich Cordula Eich fürs nächste Jahr einfallen? Ein Coverfoto als Weinkönigin?

Volker Vogel  

 

"Super Schoppen Shopper" 2013-2014

Autorin: Cordula Eich

Preis: 9,90 Euro

ISBN: 978-94-90538-06-4

 

"Top 66" : Ein außergewöhnlicher Genussführer durch das Saarland und angrenzende Regionen

Der Saarländer Rolf Klöckner hat eine Mission: Den Saarländern klar zu machen, dass es noch eine genussvollere Welt jenseits vom Schwenkbraten gibt. Diesem Satz aus einem Interview mit ihm, hat er jetzt wieder Nachdruck verliehen mit der Veröffentlichung der "Top 66", einer Zusammenstellung und Präsentation der für ihn besten Restaurants der Region Saarland im Jahr 2013. Erschienen ist dieser Genussführer erstmals als Heftformat  und Sonderausgabe der Wochenzeitschrift "FORUM". Eine Lektüre, die anders daherkommt, als vergleichbare Gastro-Führer. "Top 66" ist nicht nur ein Ratgeber für alle, die im Saarland gut essen wollen, es ist ein Heft, das auf 195 Seiten teilweise sehr persönlich verfasste Reportagen von Rolf Klöckner aufweist, die Menschen vorstellen, die sich tagtäglich dem Genuss widmen.

Wenn Rolf Klöckner im Vorwort von der "Genuss-Sozialisation" spricht, die wir von Kindheit an durchlaufen haben und all die Eltern lobt, die sich um eine vernünftige Ernährung ihrer Kinder bemühen, erkennt der Leser sofort, dass es diesem Autor um mehr geht, als nur ums Essen. Rolf Klöckner will seinen Mitmenschen Mut machen, Gutes zu speisen und natürliche Lebensmittel zu genießen. Dazu sind weder drohende Zeigefinger oder abfällige Bermerkungen nötig, Klöckner versteht es auch so, mit seiner Sprache den Blick auf Lebensmittel zu wenden, jenseits von Glutamat und Convenience-Produkten.

Einer, der das Saarland nicht so genau kennt und gerne genießt, wird bei der Lektüre neidisch werden, denn dieses kleine Bundesland hat in Sachen Genuss weit mehr zu bieten, als viele anderen. Klöckner würde jetzt sagen, das liegt daran, dass das Saarland an Frankreich und Luxemburg grenzt, und damit hat er wohl auch recht. So hat er in seiner neuen Publikation bewusst auch wieder den Blick über die Landesgrenze hinweg nach Lothringen, in den Elsass und nach Luxemburg gewandt. Genuss kennt nun mal für ihn keine Grenzen. So stellt er unter anderem Lutz Janisch mit seinem Restaurant "Le Strasbourg" in Bitche vor. Klöckner geht auch hier nicht nur auf das Sternerestaurant ein, sondern teilt uns die Geschichte mit, die dahinter steckt. Janisch war bis Ende der 1980er Jahre Landmaschinenschlosser in der ehemaligen DDR. Grenzüberschreitend auch das "L`Argousier" im lothringischen Volmunster mit Chefkoch Jonathan Birkenstock oder das "Au Crocodile" von Philippe Bohrer. Natürlich fehlen auch Abstecher zu den Drei Sterne-Köchen Klaus Erfort und Christian Bau nicht, oder zum Zwei Sterne-Koch Wolfgang Becker in Trier.  

Das Heft ist aber nicht nur deshalb so lesenswert, weil hier Restaurants beschrieben werden, sondern weil Rolf Klöckner auf sehr persönliche Art diese Menschen beschreibt, ihre Philosophie erklärt und über den Tellerrand hinaus schaut.  Er versteht es, dem Leser mitzuteilen, dass auch Starköche nicht arrogant sein müssen. So erfährt man nebenbei, dass Klaus Erfort eigentlich das Ungezwungene liebt und Cliff Hämmerle trotz seiner Sternauszeichnung nach wie vor auch preislich nicht abgehoben ist.

Mit genussreicher Begeisterung schildert Klöckner aber auch viele Restaurants, die (noch) nicht im Sternenhimmel angelangt sind. Das Restaurant "Hotel am Triller" in Alt-Saarbrücken etwa, das auf biologisch erzeugte Lebensmittel wert legt, oder das "Petit Chateau" in Homburg-Schwarzenbach, das von Rita und Erich Huber geführt wird und das Rolf Klöckner als eines der besten Restaurants im Saarland bezeichnet. Einen Besuch wert wäre sicher auch "Schnabels Restaurant" in Saarbrücken-Gersweiler, wo Restaurantchef Jürgen Schnabel die Slow-Food Bewegung fördert und mit regionalen Köstlichkeiten überzeugt. 

Mit dem "Hashimoto", einem japanischen Restaurant in Saarbrücken und dem "Wongar", einem australischen  Restaurant (ebenfalls in Saarbrücken) zeigt uns Klöckner, dass es auch jenseits deutsch-französischer Köstlichkeiten eine sehr genussreiche Spezialitätenküche im Saarland gibt. Was das Heft zudem sehr aufwertet, sind die Kurzinfos zu jedem Restaurant. Neben der Anschrift und einem Kartenausschnitt mit geografischem Standort sind auch die Öffnungszeiten, besondere Hinweise und der Durschnittspreis für ein mittleres Menü angegeben. In einem kurzen Fazit werden die markanten Aussagen noch einmal in Stichworten aufgeführt. 

Rolf Klöckner gewährt aber nicht nur Einblick in gute Restaurants, er stellt auch ein paar andere Genussadressen, angefangen von Weingütern, bis hin zur außergewöhnlichen Bäckerei Kissel in Reichenbach-Steegen vor, die zwar nicht im jüngsten Feinschmecker-Bäckereiführer aufgeführt ist, aber sicherlich einer Erwähnung wert gewesen wäre. Einen ganz persönlichen Blick wirft Klöckner auch auf das Weingut Van Volxem, das Weingut Lubentiushof (beide befinden sich in Rheinland-Pfalz) oder das Weingut Schmitt-Weber in Perl.

Studiert hat Rolf Klöckner Sozialpädagogik. Seit frühester Jugend beschäftigt er sich mit gutem Essen, kämpft nach wie vor dafür, dass auch Kinder, deren Eltern wenig Geld zur Verfügung haben, gesundes Essen erhalten. Sein Leben ist geprägt vom Genuss, und das auf eine Art und Weise, die nicht abgehoben arrogant, sondern ehrlich konsequent ist. Ehrliche Hausmannskost ist für ihn ebenso viel wert wie die gehobene Sterneküche. Auch in seinem neuen Werk zelebriert der 56-jährige Klöckner diesen Genuss. Sein neuer Genussführer ist für alle Pflicht, die das Saarland, Lothringen oder den Elsass auf kulinarische Art durchreisen möchten.  Volker Vogel

Siehe auch unser Interview mit Rolf Klöckner hier

Verlosung von fünf Exemplaren

Der FORUM-Verlag in Saarbrücken hat uns fünf Exemplare dieses "Top 66  -  Die besten Restaurants der Region 2013" für eine Verlosung zur Verfügung gestellt. Schreiben Sie uns einfach eine E-Mail an redaktion(at)genussartklicks.de mit einer kurzen Beschreibung, was für Sie Genuss bedeutet. Unter allen Einsendern verlosen wir dann die fünf Exemplare.

Titel: "Topp 66 - Die besten Restaurants der Region 2013"
Verlag: FORUM, Am Deutsch-Französischen Garten, 66117 Saarbrücken, Telefon 0681/96613-2
Autor: Rolf Klöckner
Zu erhalten am Kiosk oder direkt beim Verlag
Preis: 9,90 Euro

  

 

 

 

 

Einblicke ins Leben und in die Faszination des Kochens - Das Buch "Arthurs Tochter kocht - Mein B_Logbuch" von Astrid Paul

Ein Buch, das aufzeigt, das es richtig ist, seinen Traum zu leben und uns sagen will: Mit dem Essen spielt man doch!

Die Bücher, die ich bislang fast an einem Stück durchgelesen habe, kann ich an einer  Hand aufzählen. Das Buch "Arthurs Tochter kocht - Mein B­_Logbuch" ist eines davon. Das hat weniger damit zu tun, dass ich gutes Essen schätze und selbst ab und an den Kochlöffel schwinge, sondern damit, dass hier jemand unterhaltsam und interessant von sich erzählt und es versteht, eine Spannung zu erzeugen, die einen so richtig fesselt.

Dabei ist Astrid Pauls Buch kein Krimi oder ein tragischer Roman, sondern einfach nur die Geschichte ihres (bisherigen) Lebens. Es ist ein Buch über Erfahrungen, Trauer, Freude und natürlich Genuss und Kochen. Diese Frau, die verrückte, unbekannte Wörter sammelt, sie an den Kühlschrank klebt und so lange liest, bis sie bei ihr angekommen sind, versteht es ganz unspektakulär von alltäglichen Dingen zu erzählen und sich so nebenbei stark zu machen für gute Lebensmittel und menschliche Arbeitsbedingungen in gewinnorientierten Lebensmittelgroßfilialen. Für alle, die es immer noch nicht begriffen haben, erklärt sie uns, warum billiges Fleisch nichts taugen kann und macht uns deutlich, wie wichtig es ist, an Träume zu glauben.

Genüsslich liest man von ihrer Begeisterung für einen Thermalisierer (ein Gerät, in dem ein Wasserbad über einen längeren Zeitraum sehr konstant auf der gewünschten Temperatur gehalten werden kann), PR-Agenturen, die ihr unverlangt irgendwelchen Käse per Post senden, der dann stinkt und selbst einem Schwein nicht schmecken würde, von ihren ups und downs in ihrem Leben und ihrer unbändigen Kraft, an das Gute zu glauben und Zukunft immer als etwas Positives zu betrachten. Es ist aber auch ein Buch über ihre Kindheit, die geprägt war von einer Mutter, die plötzlich ein Leben streng nach den Richtlinien der Adventisten vorgab, eine Kindheit, in der also Schweinefleisch verpönt, Samstagsarbeit verboten war. Der Leser erfährt von ihrem werktäglichen Frühstück, das als Kind aus zwei Scheiben Toast, bestreut mit Zucker bestand, ihrer Abneigung  gegen grobe Kalbsleberwurst und Haferbrei und ihre menschlichen und sozialen Erfahrungen in Internaten, wo sie ihre Mutter platzierte, weil sie mit Astrid nicht zurechtkam, oder nicht zurechtkommen wollte.

Langsam wird der Leser dahin geführt, woher sie  tausende Leser ihres bekannten Blogs "Arthurs Tochter kocht" kennen: Zu der Frau, die "besessen vom Essen" ist. Sprachlich leger und doch spannend und wortreich erzählt sie, wie sie sich als "girlfriend-in-a-coma" 2004 in einem Kochforum anmeldete und über Wolfram Siebeck ins kulinarische Wunderland vorstieß. So ist für sie der 25. Dezember 2004  ihr ganz persönliches "Erweckungserlebnis", denn an diesem Tag kochte sie Siebecks Entenbraten mit Essig-Karamell-Sauce mit Niedertemperatur, "in einem Gasherd mit einem Ofen, der fing  unter 180 Grad gar nicht erst an. Eigentlich hatte er nur zwei Stufen: aus und scheiße heiß."

Sie räumt auf mit den Mythen, die sich um den Titel ihres erfolgreichen Blogs "Arthurs Tochter kocht" verbergen, den sie am 11. Juli 2009 startete. Derweil ist ja alles so einfach: Arthur heißt ihr Vater, sie ist die Tochter und die kocht eben leidenschaftlich gerne. Beeindruckend erzählt sie auch davon, wie sie nach langem Schweigen mit ihrem Vater wieder in Kontakt kam, drückt zwischen den Zeilen aus, wie sehr sie ihn liebt und schweigt darüber, welchen Weg ihre Mutter nach ihrer Trennung von der Familie einschlug.

Wer Astrid Pauls Leben in diesem Buch erliest, erfährt, wie sie zunächst eine erfolgreiche Café-Besitzerin war, dann mit ihrem früheren Mann ein Hotel betrieb und irgendwann ganz unten in der Gesellschaft ankam, weil sie eine Tochter zu ernähren hatte, aber keinen Job. Eine Frau also, die weiß, wie es ist, am Existenzminium zu nagen, die auch ein Leben außerhalb des Luxus kennt. Beeindruckend auch Ihre Schilderung, wie sie aus der Arbeitslosigkeit heraus ihre eigene Existenz gründete. Der Leser erfährt anschaulich, welche Knüppel einem da in den Weg geschmissen werden und zeigt gleichzeitig auf, dass es sich lohnt, zu kämpfen. Und zwischendrin immer wieder Rezepte, ja, die gehören einfach dazu, passen sich gut dem Erzählstil des Buches an und machen zwischen den Zeilen Appetit. Astrid Paul gibt Tipps für Menschen, die sich auch als Blogger versuchen wollen und teilt den Lesern ihre Erfahrungen in den Sozialen Netzwerken mit.

Und wenn sie vom Essen mit Freunden erzählt, spürt der Leser ihre Leidenschaft für all das Schöne. Astrid Paul hat alle Facetten des Lebens durchstreift, Operationen über sich ergehen lassen müssen, vor einiger Zeit endlich ihren Traummann P. gefunden und bereist heute ganz Deutschland, um Genussmenschen zu bekochen, kleinen und großen Menschen zu zeigen, wie lustvolles Genießen funktioniert und dabei ihren Kunden immer wieder zu sagen: "Und mit Essen spielt man doch!" Für Astrid Paul ist ihr Job  nicht nur Business, sie hat auch, wie sie schreibt, "immer eine Portion Humor und Herz" mit dabei. So zeigt einem das Buch auch, dass man/frau seine Träume nie aus den Augen verlieren sollte und Glück viel zu umfassend ist, als dass es in einen Kochtopf passen würde.
Volker Vogel

Titel: "Arthurs Tochter kocht - Mein B_Logbuch"
Verlag: Collection Rolf Heyne
Autorin: Astrid Paul
Preis: 17,90 Euro
ISBN-13: 978-389910532-2

Eine Reise ins Bioland Toscana - Telsche Peters` Buch "Bioparadies Toscana - Zu Gast bei 100 Bioproduzenten"

Eine Reise durch das Bioparadies Toskana mit schönen Fotos und sehr lesenswerten Texten.

Bio ist nicht gleich Bio und seit dem erschütternden Bericht über die Biopraktiken so mancher deutscher Betriebe, die zwar Bio zertifiziert sind, ihre Tiere aber nichts als quälen, wird man sehr nachdenklich und scheut den Einkauf von Biofleisch in Supermärkten. Doch es gibt auch eine wirkliche Biowelt, in der Bio richtig gelebt wird und die Menschen, die diese Betriebe betreiben, den Begriff "Bio" auch ernst nehmen. Telsche Peters, ausgebildete Redakteurin, arbeitete unter anderem bereits für "Feinschmecker", "Brigitte" und lebt und arbeitet seit vielen Jahren als Autorin und Pressereferentin im italienischen Montalcino. Ihr Buch "Bioparadies Toskana - Zu Gast bei 100 Bio-Produzenten" zeigt auf, dass es sie wirklich gibt, die Menschen, die alles dafür tun, dass Bio auch Bio ist.

Auf 215 Seiten nimmt sie den Leser mit auf eine Rundreise durch die schöne Toskana und stellt Hersteller von Bio-Produkten vor, die fest nach den Grundsätzen arbeiten, die für biologische Produkte maßgeblich sind.  21 Kategorien, angefangen von Wein und Grappe, über Marmelade, Früchte, Olivenöl, Pasta, Käse, bis hin zu Säften, Tomatenprodukten, Soßen, Honig und Brot werden beschrieben. Übersichtlich geordnet in die einzelnen Provinzen stellt Telsche Peters die Betriebe in Text und Bild vor, ohne sie zu bewerten. Da liest man vom Bio-Paradies des englischen Musikers Sting ebenso, wie vom Weingut "La Colombaia" (Der Taubenschlag) von Nadia Castagnedi und ihrem Lebensgefährten Dante Lomazzi nahe Colle di Val d´Elsa, die sich mit der Übernahme des Weinguts einen Lebenstraum erfüllt haben. Nadia tauschte Seidenstrümpfe und Pumps gegen Gummistiefel und könnte sich ein anderes Leben gar nicht mehr vorstellen. Wein, Käse, Kräuter und viel mehr werden einem bei der Vorstellung der "La Parrina" in der südlichen Maremma toscana schmackhaft gemacht. Ein alter Bauernhof mit viel Scharm und angeschlossenem Agriturismo mit zwölf Zimmern und vier Appartements und natürlich einem Restaurant. Oder Carlo Cignozzi, früher Anwalt, jetzt schon seit vielen Jahren Besitzer des Weinguts "Paradiso di Frassina" in Montalcino, der seinen Reben klassische Musik vorspielt.

Telsche Peters zeigt ein Bio-Bild der Toscana, das einem normal Reisenden nicht ins Auge fällt. An der Sprache ihrer Texte spürt man, dass sie sich mit den Leuten und Produkten, über die sie schreibt, intensiv beschäftigt hat. Manches liest sich wie ein Reisebericht in eine Fabelwelt. Wer sich jedoch auf die Reise begibt, wird feststellen, dass dies real ist und Bio in den toskanischen Provinzen tatsächlich ursprünglich gelebt wird.  

Das Buch ist sehr übersichtlich und jeder Betrieb wird am Ende der Beschreibung stichpunktartig noch einmal vorgestellt. Hier erfährt der Leser auch, welche Sprachen die Leute in Betrieben und Hotels sprechen, welche Zahlungsmöglichkeiten es gibt und wie man die Betriebe besichtigen kann. Eingestreut sind auch ein paar leckere Rezepte sowie eine Erläuterung zum Begriff "Bio" und wie er in Italien umgesetzt wird. Das Buch beschreibt die Motivation, die für jeden der vorgestellten Bio-Produzenten hinter dem Abenteuer "Bio" steht und zeigt, wie nicht nur Italiener, sondern auch Deutsche, Engländer, Schweizer und sogar Japaner die Toskana für ihren Bio-Lebenstraum entdeckt haben.

Was jetzt noch fehlt? Urlaub, eine Landkarte der Toscana und dann mit dem Buch durch die Provinzen fahren und Bio so erleben, wie es sein muss: Ursprünglich, natürlich und einfach lecker.   Volker Vogel

Titel: "Bioparadies Toskana - Zu Gast bei 100 Bio-Produzenten"
Autorin: Telsche Peters
Verlag: styria regional /styriabooks.at
Preis: 24,95 Euro
ISBN: 978-3-7012-0059-7

Nicht jeder Wein riecht und schmeckt wie Raumspray- Codula Eichs neuer "Super Schoppen Shopper" ist erschienen

Ein Buch, das inzwischen schon Kult ist: Der "Super Schoppen Shopper", der uns zeigen soll, welcher Wein in den Supermarktregalen genießbar ist und welcher nicht.

Viele haben ihn schon sehnsüchtig erwartet, jetzt ist er da: Der neue "Super Schoppen Shopper" von Cordula Eich. Auf 335 Seiten erklärt sie wieder, worauf beim Weinkauf im Supermarkt oder Discounter zu achten ist und lässt uns teilhaben an den 1739 Weinen, die sie in den vergangenen Monaten getestet hat. Auch wenn echte Weinkenner dieses Buch vielleicht belächeln werden, für den Otto-Normalverbraucher ist es nach wie vor ein nützliches Handbuch bei der Suche nach einem trinkbaren Wein zwischen Chips, Butter und Waschmittel.

Zehn Wochen Tag ein, Tag aus Wein verkosten, das mag aufregend klingen, ist aber mit Sicherheit eine kleine Tortour, vor allem wenn es darum geht, die Weine  aus Supermarktregalen zu beurteilen. Wer das Buch durchstöbert, stellt nämlich fest: Es gibt nach wie vor sehr viel Schrott unter den Weinen, die da in den Regalen auf Käufer warten. Aber Cordula Eich hat eine gute Nachricht für die Verbraucher: In diesem Jahr verteilte sie so viele "Super Shoppen" - die höchste Auszeichnung, die sie für einen Wein oder Sekt vergibt - wie noch nie.

Zehn Supermärkte und Discounter mussten sich wieder den strengen Regeln der Weinkennerin und ihres Teams unterziehen. Neben Aldi Nord und Süd waren dies Edeka, Kaufland, Lidl, Netto, Norma, Penny, Rewe und Rossmann.

Das Buch dient aber auch als Orientierungshilfe für Konsumenten, die sich nicht so gut mit Wein auskennen. Das ist einer der großen Pluspunkte, die man dem Buch zuschreiben muss. So klärt Cordula Eich ihre Leser darüber auf, dass es Blödsinn ist, wenn jemand meint, Wein müsse man bei Zimmertemperatur trinken, oder dass ein Korkverschluss besser sei, als ein Schraubverschluss und Supermarktweine sich als Anlagevermögen eignen. Ob das "Aufpeppen" eines müden Weißweins mit einem Spritzer Zitrone die richtige Maßnahme ist, sei mal dahingestellt, aber Cordula Eich versteht es in einfachen Worten die Leser an das Thema Wein heranzuführen und aufzuklären über alles, was man über Wein wissen sollten.

Jeder Supermarkt oder Discounter, dessen Weine sich ihrer Verkostung unterziehen dürfen, müssen mit einem bundesweiten Filalnetz vertreten sein. Es werden auch nur die Weine verkostet, die ständig im Regal stehen, also keine Aktionsware, die es mal ein paar Wochen zu kaufen gibt.

Man fragt sich zwar, ob der Dornfelder trocken 2011, den es bei Aldi Nord für 1,99 Euro zu kaufen gibt, tatsächlich den "Super Shoppen" als höchste Qualitätsauszeichnung verdient hat, aber probieren kann man ihn ja mal, vielleicht ist die Qualität entsprechend den von Cordula Eich aufgestellten Regeln (auch die sind vorab im Buch erklärt) tatsächlich gut.  Ein Sprung ins Weinregal von Rewe zeigt, dass ein Wein für 1,99 Euro aber auch äußerst bescheiden daher kommen kann. Der Villa Girasole, Pinot Grigio delle Venezie aus dem Jahr 2011 fällt bei Cordula Eich durch. Zitat: "Riecht und schmeckt nach Raumspray... Die Blume auf dem Etikett hätte es schon verraten können." Ein Chateaubriand 2010 vom Kaufland erhielt die höchste Auszeichnung. Der Baujolais wird als saftig und fruchtig beschrieben und mit der Qualtiät der Mode von Yves Saint Laurent verglichen. Die Flasche kostet übrigens 5,49 Euro.

Erstaunlich gut schneiden die Sekte von Mumm & Co ab. Sowohl der Elegant trocken, als auch der extra trocken und elegant trocken, Rosé dry erhalten die Bestnote. Da können nicht viele in der Preisklasse um sechs Euro mithalten. Im Gegensatz dazu muss sich ein Geldermann Rosé trocken da ganz weit hinten anstellen. Den Sekt, den Edeka für 10,99 Euro anbietet, beschreibt Cordula Eich schlicht so: "Veuve Cliquot Look-Alike, aber kein Taste-Alike...".

Da Buch ist wie immer vor allem auch deshalb lesenswert, weil es an ironischen Kommentaren nicht mangelt. So wird der Ein Liter Tetrapak mit dem Badischen Landwein beschrieben mit den Worten "nach zehn Jahren Gefangenschaft in einem badischen Folterkeller gefunden...Zum Glück ohne Nachwuchs!".

Das Buch ist gut gegliedert, jeder erkennt sofort, wo es welchen Wein zu kaufen gibt und wer gleich nachsehen will, welcher Wein oder Sekt am besten abgeschnitten hat, bekommt im hinteren Teil des Buches eine Übersicht geboten.

Fazit: Auch der "Super Schoppen Shopper" 2012 ist wieder ein tauglicher Einkaufsführer durch den Tschungel der Regalweine, den man mit Amusement lesen kann. Und wer das Buch nicht beim Einkaufen mitschleppen will, für den gibt es im App-Store die Einkaufsliste für Apple und Android. Volker Vogel

Titel: "Super Schoppen Shopper"
Autorin: Cordula Eich
Preis: 11,95 Euro
ISBN: 978-94-90538-05-7